Verwechslungsgefahren im Garten

Verwechslung von Beinwell bzw. Borretsch mit Fingerhutblättern

Nicht nur beim Kräutersammeln in der Natur sind Verwechslungen möglich, sondern auch im heimischen Garten - wie die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen.

Zwei Ehepartner aßen versehentlich jeweils ein Blatt eines Fingerhutes (Digitalis) in der Annahme, es sei Beinwell (Symphytum officinale). Wegen des bitteren Geschmackes wurden sie auf den Irrtum aufmerksam und verständigten sowohl den Rettungsdienst als auch den Giftnotruf. Das Ehepaar und ihre zwei Kinder, die ebenfalls von den vermeintlichen Beinwellblättern gekostet hatten, wurden zur stationären Beobachtung in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Ehemann hatte schon vor Eintreffen der Rettungskräfte bei sich selbst Erbrechen ausgelöst. Die Ehefrau und beide Kinder erhielten vom Rettungsdienst Medizinische Kohle. Am Folgetag konnten der Vater und die Kinder nach symptomlosem Verlauf in die Häuslichkeit entlassen werden. Die Ehefrau wurde wegen einer herzwirksamen Konzentration des Fingerhutgiftes Digitoxin im Blut für einen weiteren Tag im Krankenhaus überwacht.

Ein anderes Ehepaar bereitete sich eine Suppe aus selbstgesammelten Borretschblättern (Borago officinalis) zu. Nach Verzehr der Suppe kam es bei beiden Ehepartnern zu Übelkeit. Da die Beschwerden auch nach 8 bis 9 Tagen bei der Frau nicht abklangen und der Mann zusätzlich Farbsehstörungen entwickelte, stellte sich das Ehepaar schließlich im Krankenhaus vor. Bei der Frau fiel zusätzlich eine deutliche Verlangsamung des Herzschlages auf. Bei der Kontaktaufnahme mit dem Giftnotruf Erfurt wurde der Verdacht auf eine Verwechslung mit Fingerhutbättern geäußert. Bei beiden Ehepartnern konnten herzwirksame Konzentrationen von Digitoxin im Blut nachgewiesen werden. Daraufhin erfolgte eine intensivmedizinische Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktionen.

Digitoxin, ein Hauptwirkstoff des Fingerhutes, ist stark giftig und wirkt sich auf die Funktionen des Herzens aus. Früher wurde Fingerhut daher auch arzneilich bei Herzschwäche genutzt. Da Digitoxin schon in sehr geringen Mengen (im Milligramm-Bereich) starke Wirkung zeigt, kann die versehentliche Einnahme von Blättern und anderen Pflanzenteilen des Fingerhutes zu schweren Vergiftungen führen.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Vergiftungsgefahr durch Fingerhut.

Verwechslung von Blattpetersilie mit Eisenhut

Im Mai 2010 hatte ein 5-jähriges Mädchen im Garten der Familie ein kleines Stück vom Blatt eines Eisenhutes gegessen, das sie für Blattpetersilie (Petroselinum crispum) gehalten hatte. Nachdem die Mutter den Giftnotruf Erfurt angerufen hatte, wurde das noch beschwerdefreie Mädchen sofort durch den Notarzt in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde noch etwas Aktivkohle gegeben und das Kind intensivmedizinisch überwacht. Die Pflanzenreste waren mit dem Mädchen zum Krankenhaus transportiert worden und wurden als Eisenhut identifiziert. Das Mädchen blieb bis zum nächsten Morgen symptomfrei und konnte wieder entlassen werden.

Eisenhut (Aconitum) ist eine der giftigsten Pflanzen Deutschlands. Nach Verschlucken kommt es zunächst zu Brennen und Kribbeln im Mund, das sich anschließend über die ganze Haut ausbreitet, später setzen heftiges Erbrechen und Durchfall, Bauchkrämpfe, Sehstörungen, Lähmungen der Muskulatur, starke Schmerzen, Atemlähmung und Herzrhythmusstörungen ein, die schließlich zum Tod führen können. Von 2007 bis 2016 wurden vom Giftnotruf Erfurt fünf schwere Vergiftungsfälle und ein Todesfalle durch Eisenhut registriert.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Vergiftungsgefahr durch Eisenhut.

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